Unbekannte Ecken

Kulinarische Stadtführung. Treffpunkt Fischbrunnen. Zwischen dem Brunnen und dem Kaufhaus Beck wird ein Flügel, ein echter, in Position geschoben. Ein kleines Begleitorchester formiert sich. Es erklingt klassische Musik. Was für eine Stimmung an diesem herrlichen Sommertag!

Auf dem anschließenden Marsch durch die Innenstadt lerne ich, geborene Münchnerin, Ecken kennen, in denen ich noch nie war. Und erfahre viel Neues. Zum Beispiel, dass in einem Hinterhof in der Neuturmstraße hinter dem Hofbräuhaus noch immer eine Mühle betrieben wird. Und in der dazugehörigen Bäckerei gibt’s Pfenningmuckerl, eine Kette kleiner Sauerteigsemmeln! Habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gegessen.

Trittsicherheit empfohlen

Gut zu Fuß und angstfrei sollte man sein, wenn man diese wundersame Treppe eines Ateliers der ehemaligen Wiede-Fabrik in Johanneskirchen besteigt. Zwei Mal im Jahr gibt es hier Tage der offenen Ateliers. Auf dem weitläufigen Gelände und in den alten Fabrikhallen gibt es viel Interessantes und Skurriles zu entdecken.
Foto: Ulrike Stahl

Meine Kraftquelle

Heimat und Kraftquelle – ökologisch und leider auch ökonomisch wertvoll. Deshalb streichen wir die Ökologie und schöpfen die Ökonomie voll aus. Das bedeutet: Alles zupflastern und 30 000 Menschen sowie 10 000 Arbeitsplätze ansiedeln. Eine Kleinstadt in der Größenordnung Erdings am Rande der Großstadt . Als Zuckerl wird den rebellierenden Anwohnern gebetsmühlenartig ein Badesee angepriesen – auf einem Modellfoto inmitten mehrstöckiger Bebauung zu erkennen. Da kommt Freude auf! Die hier regelmäßig brütenden Wanderfalken werden jedenfalls mit Sicherheit auswandern.

Freude pur: Voci di Sicilia

Endlich wieder eine Abendveranstaltung, die erste seit langer, langer Zeit! „Voci di Sicilia“ mit Etta Scollo und Eva Mattes in der Brasserie des Literaturhauses. Einfach nur schön! Eva Mattes las aus dem gleichnamigen Buch von Etta Scollo, die Autorin selbst sang sizilianische Lieder. Ein wunderbares Duo, diese beiden Damen.

Das waren sie auch schon 2018, als Eva Mattes aus „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante las, Etta Scollo sie auf der Gitarre begleitete und die beiden spontan im Duett sangen. An einem zauberhaften Sommerabend im Hof des Literaturhauses. In diesem Jahr fehlte nur der Sommer…

Natur pur

Schön, oder? Gewaltig! Ich verrate aber nicht, wo das ist. Sind eh schon zu viele Leute unterwegs. Nur so viel: eigentlich gleich hinter dem Haus.

Die Wiesn lebt auch ohne Wiesn!

Als echte Münchnerin muss ich gestehen: Zum ersten Mal bin ich an einem Sonntag auf der Theresienwiese gewesen – jedenfalls soweit ich mich erinnern kann. Da geht’s vielleicht zu! Jede Menge Sportler, Radler, Motorradfahrer, Spaziergänger, ein Beachvolleyballplatz, ein Sandstrand samt Palmen. Und auf den mit Schotter und Unkraut gepflasterten Freiflächen zwischen den Wegen liegen Sonnenanbeter und treffen sich Familien zum Picknick. Die Wiesn lebt also auch ohne Wiesn.

Lieber MVV,

es wäre furchtbar nett von dir, wenn du mal deine Informationspolitik etwas geraderücken würdest! Wenn die Münchner S-Bahn stundenlang ausfällt und nach zwei Stunden immer noch keine Informationen in deiner App stehen, werden wir Fahrgäste etwas ungehalten!

Wir sind auch nicht gerade erfreut, wenn du gleich tags drauf deine Lautsprecher am Bahnsteig verkünden lässt, die gleiche Linie habe (schon wieder – das sagst du natürlich nicht) „ungefähr“ fünf Minuten Verspätung, aus denen dann aber 15 Minuten werden und letztlich noch viel mehr, weil die erschöpfte Bahn alle paar Kilometer Ruhepausen einlegt.

Ich bin ja nicht die Erste und Einzige, die deine mangelhaften Informationen bemängelt. Du darfst es jetzt wirklich glauben! Tu doch endlich was! Kann ja nicht sooo schwer sein…

Österreich gegen Italien – und Deutschland lacht

Im Zug nach Italien, mitten in der Nacht: Nach dem Stopp in Villach läuft ein Ehepaar mittleren Alters mit etlichen Gepäckstücken hektisch den Gang neben den Abteilen hin und her und her und hin. Herr und Frau Österreicher suchen ihre Plätze. Die sind sowohl auf den Fahrkarten als auch an den Abteilen deutlich ausgewiesen. Aber offensichtlich nicht für jeden. Jede Abteiltür wird aufgerissen – nein, hier auch nicht. Im Waggon ist jetzt wenigstens jeder wach.

Nach langem Palaver entscheiden sie sich schließlich für das Abteil, in dem ein junger Mann und ich sitzen. Stimmt: Ein Platz ist noch reserviert, ab Villach. Grußlos, aber polternd hievt der Mann das größere Gepäck nach oben und lässt sich in den Sitz fallen. Seine Frau steht jetzt schimpfend mit mehreren kleineren Taschen in unserem Abteil. „Des gibt’s doch ned, dass ma a Ehepaar trennt. Des is a Frechheit!“ Sie setzt sich neben ihren Mann und verteilt ihr Gepäck auf den freien Sitzen. Es sind aber nur drei Personen pro Abteil erlaubt – und etliche Abteile sind noch ganz frei. „Naa, des is doch völlig egal“, sagt der Mann, „gleich samma in Travisio. Da stürmen die Italiener den Zug. Dene is völlig egal, wo sie reserviert ham, die san einfach überall. San halt so. Aber des is unser ÖBB-Zug!“

In Travisio stürmte kein einziger Italiener den heiligen ÖBB-Zug. Aber so sans halt, die Österreicher…